Zwar nicht nach New York, Rio oder Tokyo…

…aber dafür führte mich meine sportfotografische Reise von Franken über Freystadt nach Mülheim a. d. Ruhr. Nach etlichen Jahren in fränkischen Sporthallen und mittlerweile gut 4 Jahren als Medienpartner und „Hausfotograf“ beim aktuellen Bundesligisten TSV Freystadt, wollte ich auch mal bei einem sportlichen „Kracher“ den Stars der Szene hautnah auf die Pelle rücken und neben den arrivierten Fotografen hinter der Werbebande am Spielfeldrand stehen. Gereift ist mein Vorhaben während der Übertragung der DM 2018 – da war es aber schon zu spät. Die YONEX German Open 2018 waren dann das Naheliegendste. Eine Erfahrungsbericht von Marcus Mehlich.

Eine Mail an Lukas Gunzelmann geschrieben, der stellte den Kontakt zu Dr. Claudia Pauli her und nach zwei, drei Mails hatte ich den „Türöffner“ – sprich eine Akkreditierung für die YGO. Nun noch schnell zwei Karten für die Gattin erworben und so ging es am Halbfinal-Samstag gegen 6 Uhr für vier Stunden auf die Autobahn gen Mülheim zur innogy Sporthalle. Im Pressecenter waren bereits Sven Heise und Stephan Wilde eifrig am werkeln. Stephan erklärte mir die Halle, Mixed-Zone, erlaubte Laufwege für Fotografen, No-Go´s und und und … . Der technische und organisatorische Aufwand, der betrieben wird, ist enorm: Etliche TV-Kameras am Court für die Live-Übertragung, stirnseitig, mobil, Technik für hawk eye, Reporterplätze für Sportdeutschland und BWF, Catering, VIP-Bereich, Shuttle-Service, um nur einen kleinen Teil zu nennen. Während des Rahmenprogrammes zwischen Einlass und Spielbeginn fanden Ehrungen verdienter Sportler statt, der Gewinner des Trickshot-Contest wurde vorgestellt, Marc Zwiebler und Luise Heim spielten mit XXL-Schlägern einen Satz, Gesangseinlagen eines Nachwuchstalentes, eine T-Shirt-Kanone war im Einsatz u.v.a.m. Ist schon der Aufwand bei einem „einfachen“ Bundesligaspiel mit sehr hoch zu bewerten, so liegt er bei einem Turnier dieser Preisgeld-Kategorie um ein vielfaches höher.

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Mit dem ersten Ballwechsel am Samstag gegen 14:30 Uhr war meine ruhige Zeit vorbei: Die Ausrüstung noch mal checken, alle Kamerabodys korrekt eingestellt, Objektive griffbereit, jetzt keine Fehler. Keinem Kollegen im Wege stehen und selber sehen, die optimale Position für gute Bilder zu finden. Nach zehn  Halbfinal-Matches war gegen 21:30 Uhr Schicht im Schacht. Leider waren deutsche Spieler schon vorher ausgeschieden und auch meine Hoffnung, Lin Dan vor die Linse zu bekommen, erfüllte sich nicht, da dieser im ¼-Finale die Segel streichen musste. Die Halbfinals waren fest in asiatischer Hand. Lediglich ein dänisches und ein bulgarisches Mixed bzw. Doppel konnten sich für die Vorschlussrunde qualifizieren. Stretching brauchten jetzt nicht nur die Sportler, sondern auch meine müden Knochen. Schnell ins Hotel und einchecken (war keiner mehr da, aber der Schlüssel lag am Empfang).

> Hier geht es zur Bildergallerie von Marcus Mehlich vom Finaltag.

Nach dem Frühstück am Sonntag kurz vor 10 Uhr wieder in der Halle, das Vorprogramm bis kurz vor 12 Uhr und dann die fünf Finals. Matches, die das Publikum begeisterten. Die Athletik der Finalisten, die Power und das Gefühl, mit der die Bälle geschlagen werden – das hautnah zu erleben zu dürfen – einfach umwerfend. Gegen 18:30 war der letzte Ball geschlagen, die verdienten Protagonisten waren für ihre Mühen geehrt und auch der Fotograf hatte sein Soll erfüllt – der Fotograf durfte gehen. Nochmal ein letzter Gruss ins Pressezentrum und wieder vier Stunden zurück in die fränkischen Heimat.

Mein Fazit: Es ist Arbeit, es war anstrengend – auch körperlich. Man(n) ist ja keine 40 mehr. Für all das Erlebte war es das wert. Auch wenn der Fotograf dem Spiel und den Spielern so nah kommt, wie kaum ein anderer – von den Matches bekommt der passive Zuschauer weitaus mehr mit. Ich würde es trotzdem immer wieder machen. Zum Schluss noch mein Dank an „Lukki“ und Stephan für Ihren Support.

Erfahrungsbericht von Marcus Mehlich