Während dieser besonderen Zeit, braucht es besondere Ideen, um den Alltag dennoch bestmöglich zu meistern und gar nicht so selten sind es Herausforderungen wie diese, die Innovation und Fortschritt mit sich bringen können. Ein Beispiel dafür könnte auch der Onlinekurs zur Trainerassistenten-Ausbildung in Bayern sein, der vergangene Woche stattfand. Während andere Landesverbände und Sportarten ihre Ausbildungen bis auf weiteres absagten oder verschoben, steckte man sich im BBV ein ambitioniertes Ziel, um die Zeit trotz Ausgangsbeschränkungen bestmöglich zu nutzen. Der Ausbildungsleiter Tobias Wadenka erzählt nun in einem Interview über die Herausforderungen und Chancen des Experiments.

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Tobias Wadenka im Interview über die Herausforderungen und Chancen der Online-Ausbildung (Foto: DC-Fotografie)

Monika Weigert: Wie sah der Tagesablauf bei der Online-Ausbildung aus?

Tobias Wadenka: Wir haben am Sonntag, den 5. April, abends mit einem Webinar losgelegt. Die folgenden Tage gab es jeweils morgens und am späten Nachmittag weitere Online Livesessions. Täglich gab es zudem immer eine Aufgabe, die die Teilnehmer zu erledigen hatten. Diese Aufgaben hatten entweder mit der Vertiefung oder Wiederholung des Live-Webinars zu tun oder dienten zur Vorbereitung für die nächste Session. Dabei haben wir sehr viel mit  Quiz- und Videoaufgaben gearbeitet.

Wie viele Teilnehmer haben den Onlinekurs belegt

Insgesamt waren es 36 Teilnehmer, also eine richtig große Gruppe. Eigentlich waren viele für den eigentlichen Lehrgang auf der Warteliste. Durch den Onlinelehrgang war die Anzahl aber nicht begrenzt und diese Chance haben wir natürlich genutzt. Wir haben also alle Leute zugelassen, die Interesse hatten und die freigewordene Zeit bestmöglich nutzen wollten.

Dann ist da ja die Sache mit der Technik….kam es zu Komplikationen? Oder gab es anderswo Schwierigkeiten?

Die beiden hauptsächlichen Plattformen, die wir für die Webinare und Onlineaufgaben verwendet haben, habe ich zum Glück schon sehr häufig genutzt. Daher kannte ich schon die Knackpunkte, war trotzdem aber selbst überrascht, dass es eigentlich kaum Schwierigkeiten gab. Hin und wieder hat bei jemanden das Mikrofon oder eine Videoübertragung nicht funktioniert. Generell hat es aber über die ganze Woche fast ohne technische Schwierigkeiten geklappt. So war auch das Feedback der Teilnehmer, dass die Handhabung und das gesamte Technische sehr, sehr rund gelaufen ist.

Normalerweise sitzen dir die Teilnehmer gegenüber und können Fragen stellen. Was war für dich die größte Herausforderung?

Ich habe zuvor schon ein paar Webinare gemacht, aber es ist dennoch eine ganz spezielle Situation. Es ist natürlich erstmal schwierig, wenn man keine Reaktion sieht zudem, was man gerade erzählt. Wir  haben daher versucht, die Teilnehmer möglichst viel einzubinden. Beispielsweise mit Umfragen oder Rätseln, damit es nicht nur ein Vortrag ist, sondern viel mit Interaktion gelernt wird. Dazu kam auch das Feedback, dass immer jeder gefordert war und das wahrscheinlich die Leute aktiver waren, als es bei einem normalen Vortrag der Fall gewesen wäre. Es hat daher super funktioniert! Was schwierig für mich war, war die richtige Zeiteinschätzung. Normalerweise weiß ich, wie viele Minuten ich für ein Thema brauche, aber durch die Webinarform kommen oft Fragen im Chat und das dauert deutlich länger. Einige Sessions haben wir daher ein bisschen überzogen – diese zeitliche Einschätzung war also noch schwierig, aber im Großen und Ganzen hat alles super funktioniert und es war ein gelungener Ersatz für die „echten“ Vorträge.

Gibt es bereits ähnliche Onlinekurse im DBV?

Ich glaube, es gibt keine ähnlichen Onlinekurse. Es gibt bei der Talentscout-Ausbildung auch ein Onlinemodul, bei der wir uns dankenswerter Weise auch Teile nehmen durften und in unsere Ausbildung integrieren konnten. Aber eine Online-Ausbildung in so einem Umfang für C-Trainer oder Trainerassistenten gibt es in dieser Form nicht. Ich glaube, die anderen Landesverbände haben ihre Ausbildungen erstmal nur verschoben. Es ist also schon etwas Besonderes, was wir da auf die Beine gestellt haben.

Und wie geht es jetzt mit der Praxis weiter?

Eigentlich wären es vier Module im Umfang von vier Wochenenden gewesen, aber durch den Onlinekurs sind bereits zwei Wochenenden abgedeckt. Das heißt, es kommen noch zwei Wochenenden und das Schöne ist, dass wir uns komplett auf die Praxis konzentrieren können und nicht mehr viele Theorieeinheiten in den Seminarräumen haben werden. Wir werden ganz viel Zeit in der Halle verbringen. Das ist das, worauf sich die Teilnehmer freuen. Eines der kritischsten Feedbacks war schon fast, dass jetzt zu viel Lust besteht endlich etwas in der Halle zu machen und man jetzt noch warten muss, bis es endlich wieder geht. Wir müssen natürlich auch abwarten, wann die Hallen wieder frei sind. Sobald das absehbar ist, werden wird die Termine planen und verschiedene Angebote schaffen, damit jeder die zwei Praxismodule abschließen kann.

Zu guter Letzt: Was ist dein Fazit? Experiment geglückt?

Das Experiment ist auf jeden Fall geglückt! Natürlich war es den Umständen geschuldet und es war auch vom Umfang her sehr viel: Wir haben eine Woche lang täglich zwei Webinare gehabt. Dementsprechend war es auch viel Information für die Teilnehmer in kurzer Zeit. Zum Abschluss gab es dann noch eine Hausaufgabe, die helfen soll, das Ganze zu reflektieren und zu wiederholen. Vieles werden wir auch in zukünftigen Ausbildungen online machen, weil sich bei einigen Inhalten gezeigt hat, dass man dafür nicht unbedingt zusammen kommen muss, somit kann man Anfahrten und Ressourcen sparen. Vermutlich dann aber nicht mehr in so kompakter Form. Aus meiner Sicht war diese Lernwoche schon ein sehr großer Schritt und auch ein guter Schritt für zukünftige Ausbildungen.

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Ungewohntes Arbeitsumfeld: Den theoretischen Inhalt vermittelte Tobias Wadenka nicht wie gewohnt in Oberhaching sondern vor dem PC (Foto: Privat) 

Das sagen die Teilnehmer zu dem Onlineangebot:

„Ich kenne Ilias schon aus der Uni (anm d. Red, viele Universitäten nutzen die gleiche Software die auch bei der Lernplattform Racketmind zum Einsatz kommt) und musste schon öfter Online-Module benutzen, habe aber noch keinen Dozenten gehabt, der Übungen online so gut untergebracht hat! Da steckt bestimmt viel Arbeit drin, was sich definitiv gelohnt hat!“

„Ich konnte wirklich total viel mitnehmen. Ich habe viele Lösungen zu Problemen gefunden, die mir als Trainer schon begegnet sind. Ich bin richtig motiviert, so viel wie möglich umzusetzen!“

„Ich fand die eingebundenen Videos, auch mit den Fragen dazwischen, sehr hilfreich. Aber auch die Quizze haben mir sehr geholfen beim Lernen.“

„Der Situation entsprechend wurde eine sehr gut Alternative gefunden und die Präsentationen waren sehr interessant und gut zu verstehen. .“

„Es war eine tolle Maßnahme trotz der Coronakrise die theoretischen Inhalte schon einmal vermittelt zu bekommen.“

Super, dass alles so gut geklappt hat und auch die Teilnehmer begeistert waren. Vielen Dank für das Interview!