Tolle Erinnerungen, starke Spiele und eine überraschende EM-Medaille – damit reisten die drei bayerischen Nationalspielerinnen und Spieler zurück nach Deutschland. Zwei Wochen verbrachten Antonia Schaller (TuS Geretsried), Kilian Maurer und Matthias Schnabel (beide vom ESV Flügelrad-Nürnberg) in Finnland, wo die diesjährige U19-Europameisterschaft stattfand. Ausgetragen wurde sowohl das Team- als auch das Individualturnier.

Nachdem über einen langen Zeitraum ungewiss war, ob die EM in diesem Jahr tatsächlich stattfinden kann, waren die bayerischen Athletinnen und Athleten umso glücklicher, dass sie die Reise antreten konnten. Strikte Corona-Maßnahmen ermöglichten die Austragung des Badminton-Events.

Hartes Los für Antonia Schaller

Die 16-jährige Antonia startete mit dem Dameneinzel in das Individualturnier. Dort traf sie auf die starke, dänische Spielerin Simona Pilgaard. Nach zwei Sätzen mit spannenden Ballwechseln musste sich Antonia geschlagen geben. Auch im Doppel erwartete Antonia gemeinsam mit ihrer Partnerin Julia Meyer eine dänische Paarung. Dort reichte es zwar ebenfalls nicht für einen Sieg, aber die zwei jungen Spielerinnen konnten ihre starken Gegnerinnen einige mal ärgern. Antonia wurde als U17-Spielerin für die U19-EM nominiert und konnte sich so gegen deutlich ältere Gegnerinnen messen und wichtige Erfahrungen sammeln.

Von einer Zitterpartie zur nächsten

Matthias Schnabel und Kilian Maurer, für die es – anders als für Antonia Schaller – die letzte Jugend-Europameisterschaft war, traten die Reise nach Finnland mit hohen Ambitionen an: „Das Ziel ist auf jeden Fall eine Medaille!“ Im Herrendoppel hatte die an sechs-gesetzte Paarung die Chance, sich diesen Traum zu verwirklichen. Bereits ihr Auftaktmatch wurde zu einer wahren Zitterpartie: Die Jungs, die beide am Landesleistungsstützpunkt in Nürnberg trainieren, konnten beide Sätze erst in der Verlängerung für sich entscheiden. Auch das Achtelfinale gegen die schweiz-österreichische Paarung Boudier/Niederhuber war nichts für schwache Nerven. Nachdem der erste Satz knapp an die Gegner ging, konnten die Bayern das Spiel drehen. Der zweite sowie der Entscheidungssatz ging deutlich an Maurer/Schnabel.

Bereits das Auftaktmatch von Kilian Maurer und Matthias Schnabel gestaltete sich spannend (Foto: Badminton Europe)

Der Traum wird wahr

Am selben Tag ging es im Viertelfinale gegen zwei Italiener nochmal auf das Feld. Wie bereits im Match zuvor mussten die deutschen Nationalspieler den ersten Satz abgeben. „Ich hatte ein bisschen Angst: Was wäre, wenn wir verlieren? Diese Gedanken waren aber ganz schnell wieder weg, weil wir beide komplett im Fokus waren. Wir haken den ersten Satz ab, wir wissen, dass wir die besseren Spieler sind und das wird man am Ende auch im Ergebnis sehen“, sagt Kilian über seine Gedanken nach dem ersten verlorenen Satz.  Und Kilian sollte recht behalten: Sie stellten ihr Spiel taktisch um und ließen den Gegnern keinerlei Chancen mehr. Nach einem weiteren Dreisatzspiel hatten sich Kilian und Matthias die EM-Medaille gesichert. Die beiden Nürnberger konnten es zunächst kaum fassen und waren sprachlos über diesen Erfolg. „Es war ein mega geiles Gefühl, dieses Spiel zu gewinnen. Auch danach war ich noch überglücklich und konnte es kaum realisieren. Ich bin echt stolz, aber auch dankbar für alle, die uns auf diesem Weg begleitet haben, uns unterstützt haben und mit uns mitgefiebert haben“, sagt Matthias über die EM-Medaille.

Starke Performance im Halbfinale

Am nächsten Tag stand nun das Halbfinalspiel gegen die top-gesetzte russische Paarung an. Nach zwei umkämpften Sätzen verpassten Kilian und Matthias knapp den Einzug ins EM-Finale. Doch auch in dieser Partie zeigten die Beiden, dass sie mit den besten Paarungen Europas mithalten können. „Wir haben ein starkes Spiel gegen die Russen gespielt. Phasenweise haben wir die Partie dominiert. Klar ist es schade, dass wir verloren haben, da es auch anders hätte ausgehen können. Aber man muss dazu sagen, dass die russische Paarung stark gespielt hat“, sagt Matthias Schnabel über das verlorene Halbfinalmatch.

Strahlende Bronzegewinner (Foto: Raphael Ronga)

Insgesamt vier Medaillen für Deutschland

Auch Matthias Kicklitz durfte sich über Bronze freuen: Er erreichte im Herreneinzel das Halbfinale. An der Seite von Thuc Phong Nguyen holte sich der 18-Jährige seine zweite EM-Medaille. Die Beiden kürten sich zu Europameistern im Mixed. Thuc Nguyen holte zudem im Damendoppel mit Leona Michalski EM-Silber. Mit insgesamt vier Medaillen erwies sich Deutschland hinter Russland als die zweiterfolgreichste Nation im Individualwettbewerb.

Viertelfinalaus im Mannschaftswettbewerb

Anders als der erfolgreiche Individualwettbewerb vermuten lässt, reichte es im Mannschaftsturnier nicht ganz für einen Platz auf dem Podest. In der Gruppenphase konnte sich Deutschland über zwei Siege freuen. Im Spiel gegen die Färöer-Inseln durften auch die drei bayerischen Nationalspielerinnen und Nationalspieler antreten. Die erst 16-jährige Antonia Schaller schlug erfolgreich im Dameneinzel auf und ließ ihrer Gegnerin keine Chance. Kilian Maurer und Matthias Schnabel hatten im Herrendoppel ihren großen Auftritt und konnten souverän gewinnen. „Zu meinen Highlights der EM zählt auf jeden Fall das Team-Turnier. Wir hatten eine unglaublich gute Stimmung und haben uns gegenseitig unterstützt“, sagt Kilian Maurer.

Das DBV-Team nach dem Sieg über die Färöer-Inseln (Foto: Dirk Nötzel)

Gegen den späteren Europameister Dänemark unterlag das DBV-Team knapp  mit 2-3 und konnte sich damit als Gruppenzweiter für die Runde der letzten acht Mannschaften qualifizieren. Dort trafen die deutschen Nachwuchspielerinnen und Spieler auf das starke Russland. Trotz einer guten Leistung verpasste Deutschland knapp den Sieg und damit eine EM-Medaille im Mannschaftswettbewerb.