Investieren in die Zukunft – TSV Türkenfeld macht‘s vor

„Wir würden ja gerne mehr Training anbieten, aber uns fehlt das Geld für Trainer*innen.“ Diesen Satz hört man in vielen Badmintonvereinen immer wieder. Qualifizierte Trainerinnen und Trainer kosten Geld – gleichzeitig sind niedrige Mitgliedsbeiträge oft über Jahre hinweg unverändert geblieben. Dass es auch anders gehen kann, zeigt der TSV Türkenfeld.
TSV Türkenfeld: Mut zur Veränderung

 

Türkenfeld hat vor einiger Zeit eine mutige Entscheidung getroffen: Die monatlichen Mitgliedsbeiträge werden sich ab 2027 mehr als verdoppeln: statt 5 Euro werden nun 13 Euro verlangt. Gleichzeitig führte der Verein ein gestaffeltes Beitragsmodell ein. Dahinter steckt ein einfaches und nachvollziehbares Prinzip: Wer mehr Angebote des Vereins nutzt, zahlt auch einen höheren Mitgliedsbeitrag. So werden die Kosten fair verteilt und diejenigen, die besonders von einem umfangreichen Trainingsangebot profitieren, leisten auch einen entsprechend höheren Beitrag zu dessen Finanzierung. Eine Veränderung, die zunächst nicht selbstverständlich war, sich heute aber als wichtiger Schritt für die Zukunft des Vereins erweist.

11 Coaches: gezielte Investitionen in die Nachwuchsarbeit

 

Mit den zusätzlichen Einnahmen kann der TSV Türkenfeld gezielt in seine Jugendarbeit investieren. Statt auf wenige ehrenamtliche Schultern angewiesen zu sein, verfügt der Verein inzwischen über ein junges und engagiertes Trainerteam mit insgesamt elf Coaches. Diese personelle Verstärkung ermöglicht nicht nur ein breiteres Trainingsangebot, sondern sorgt auch für eine intensivere Betreuung der Kinder und Jugendlichen auf Turnieren.

„Von den Eltern unserer Nachwuchsspieler und -spielerinnen kam bezüglich der Beitragserhöhung von Beginn an positives Feedback – sie sehen, wie viel Zeit und Energie in ihre Kinder investiert wird und welche Begeisterung für den Badmintonsport daraus entsteht.“
Yanni Astono
Trainer TSV Türkenfeld
Vorbild für Vereinsentwicklung

 

TSV Türkenfeld zeigt eindrucksvoll, dass es sich lohnen kann, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen und auch unbequeme Entscheidungen zu treffen. Eine Anpassung der Mitgliedsbeiträge hat zunächst Überzeugungsarbeit erfordert – hat aber die Grundlage dafür geschaffen, die Qualität der Vereinsarbeit langfristig deutlich zu verbessern.

Fehlende finanzielle Mittel müssen nicht zwangsläufig ein dauerhaftes Hindernis sein. Mit einer klaren Strategie, transparenter Kommunikation und einem fairen Beitragsmodell lassen sich neue Möglichkeiten schaffen – zum Vorteil des gesamten Vereins und insbesondere seiner Jugend.

 

Wer mehr über die Beitragserhöhung des TSV Türkenfeld, die Reaktionen der Mitglieder und die Erfahrungen des Vereins auf diesem Weg erfahren möchte, findet im folgenden Interview spannende Einblicke.

Interview mit Yanni Astono – Trainer des TSV Türkenfeld

Ihr habt den monatlichen Vereinsbeitrag von 5 € auf 13 € erhöht. Warum war die Beitragserhöhung für euch ein wichtiger Schritt? Wie nutzt die Abteilung das zusätzliche Geld?

 

Yanni: „Ab Januar 2027 zahlen Kinder und Jugendliche bei uns insgesamt 155 € pro Jahr, Erwachsene im Spielbetrieb 190 €. Für Erwachsene ohne Spielerlaubnis bleibt der Beitrag unverändert bei 100 €.

 

Ein Grund sind die deutlich höheren Ausgaben durch Spielbetrieb und vor allem Nachwuchstraining: Pro erwachsenem Mannschaftsspieler lagen diese zuletzt jährlich etwa 60 € über den Beitragseinnahmen, bei Kindern und Jugendlichen mit regelmäßiger Turnierteilnahme waren es knapp 120 €. Das konnten wir uns bisher nur leisten, weil wir viele Freizeitspieler und passive Mitglieder haben, die diese Bereiche mit ihren Beiträgen querfinanziert haben. Die Anzahl an Wettkampfspielern im Nachwuchsbereich und unter den Erwachsenen nimmt aber immer weiter zu, weshalb diese Rechnung langfristig nicht aufgeht.

 

Der zweite Grund ist unser kontinuierlich wachsendes Trainingsangebot und unser Trainerteam, das wir mit mehreren motivierten Jungen und Mädchen der Altersklassen U17/U19 nun auf insgesamt elf Coaches vergrößert haben. Diese Entwicklung war entscheidend für die erfolgreiche Bewerbung des TSV Türkenfeld als VICTOR BBV Stützpunkt Level 2. Um diese Strukturen nachhaltiger auszurichten, haben wir uns letztes Jahr das Ziel gesetzt, Übungsleiterentgelte zu erhöhen und kleine Tagespauschalen für das bisher rein ehrenamtliche Coaching auf Turnieren einzuführen. Mit der im März beschlossenen Beitragserhöhung können wir das ab kommendem Jahr umsetzen. Das zusätzliche Geld geht also hauptsächlich an unsere Coaches, die mehrere Trainings pro Woche leiten und an Wochenenden bis zu 14 Stunden am Tag unterwegs sind, um auf Wettkämpfen zu coachen.

 

Da nur die Erwachsenen im Ligabetrieb und der Nachwuchs betroffen sind, sind die Beiträge künftig auch fairer gestaffelt: Wer mehr Angebote nutzt, zahlt auch mehr. Trotzdem gilt: Alle Mitglieder zusammen sichern die Finanzierung der Abteilung – und der Großteil der Arbeit bleibt ehrenamtlich.“

Der Vereinsbeitrag hat sich mehr als verdoppelt. Wie war die Reaktion der Vereinsmitglieder und vor allem die der Eltern, als sie von der Beitragserhöhung erfahren haben?

 

Yanni: „Manche unserer erwachsenen Mannschaftsspieler waren zunächst skeptisch. Eine transparente Aufschlüsselung der Kosten und der Vergleich mit Beiträgen anderer Badmintonvereine mit ähnlichem Angebot konnten aber überzeugen. Von den Eltern kam von Beginn an positives Feedback – sie sehen, wie viel Zeit und Energie in ihre Kinder investiert wird und welche Begeisterung für den Badmintonsport daraus entsteht.

In der B-Trainerausbildung, die ich dieses Jahr absolviere, war von bis zu 100 € monatlich pro Kind die Rede, die anspruchsvolle Nachwuchsarbeit kosten kann. Badminton ist eine Individualsportart und erfordert eine entsprechende Betreuungsdichte – ähnlich wie im Tennis. Zudem haben sich die Federballpreise in den letzten Jahren nahezu verdoppelt. Das gilt es bestehenden und neuen Mitgliedern gegenüber klar zu kommunizieren.“

Der Weg zur Beitragserhöhung war lang und steinig. Wie konntet ihr den Hauptverein letztlich von der Beitragserhöhung überzeugen?

 

Yanni: „Winsley Fernando und ich hatten 2013 mit einem zweistündigen Kindertraining pro Woche begonnen. Als einige Jahre später eine zweite Trainingseinheit dazukam, immer mehr Kinder Turniere spielten und die erste Erwachsenenmannschaft gemeldet wurde, war absehbar, dass unsere Ausgaben die Beitragseinnahmen übersteigen würden. Eine Erhöhung des Spartenbeitrags ist in der Beitragsstruktur des TSV Türkenfeld aber nicht einfach umzusetzen. Im Austausch mit dem Hauptverein haben wir uns deshalb zunächst für Einsparungen entschieden – z.B. die Übernahme von Ballkosten durch die Turnierspieler statt durch den Verein.

Wegen der weiter steigenden Ausgaben kam eine Beitragserhöhung in den vergangenen Jahren immer wieder auf den Tisch. Den Durchbruch brachte Ende 2025 die Bewerbung als Level-2-Stützpunkt: Wir haben uns klare Ziele für die Entwicklung der Abteilung gesetzt und dem Hauptverein eine detaillierte Kostenprognose präsentiert. Daraus haben wir gemeinsam ein Beitragskonzept erarbeitet, das mehrheitlich Zustimmung fand.

Welche Tipps könnt ihr anderen Vereinen geben, die sich auf denselben Weg machen wollen?

 

Yanni: „Allgemeine Tipps sind schwierig, weil jeder Verein vor eigenen Herausforderungen steht. Unserer Erfahrung nach muss sich eine Abteilung erst einmal selbst klar darüber werden, wo sie hinwill und welche Strukturen es dafür braucht. Dazu gehört viel Kommunikation innerhalb der Abteilung und mit dem Hauptverein. Kosten sind ein sensibler Punkt – aber eine Auflistung der Leistungen einer Badmintonabteilung und Vergleiche mit anderen Freizeitangeboten (Fitnessstudio, Musikunterricht etc.) schaffen Akzeptanz. Zudem sollten Beiträge möglichst fair verteilt sein: Gerade im Freizeitbereich entsteht verständlicherweise schnell Unmut, wenn man für andere höhere Beiträge zahlen soll.

Besonders Alleinkämpfer möchte ich ermutigen, sich mit Leuten aus anderen Vereinen auszutauschen. Im Vereinsalltag ist man oft mit so vielen Herausforderungen konfrontiert, dass es allein schwer ist, Lösungen zu finden oder umzusetzen. In der Badminton-Community findet man schnell andere, denen es ähnlich geht oder ergangen ist – und gemeinsam findet man oft Lösungen, wo man vorher keine gesehen hat.

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